Stillstand auf vielen Baustellen: Baufirmen warnen vor Verzögerungen

Das Coronavirus hat die Welt im Griff. Inzwischen beeinträchtigt es auch das Baugeschehen in Deutschland. Lieferengpässe und Mitarbeiter, die in Quarantäne sind, sorgen für Bauverzögerungen.

Demnach hätten erste Baufirmen ihren Auftraggebern mitgeteilt, dass Technik, die in Asien produziert werde, nicht rechtzeitig geliefert werden kann. Das betrifft vor allem Heizungs-, Elektro- und Lüftungsinstallationstechnik.

Ein weiterer Grund für Bauverzögerungen: Montagearbeiter aus dem europäischen Ausland fallen aufgrund der aktuellen Einreisebestimmungen zunehmend aus.

Bauverzögerung: Nicht zu früh zahlen

Eine Lieferverzögerung könnte sich auf viele andere Schritte im Bau auswirken. Kommt es beispielsweise zu Terminverzögerungen bei Rohbauarbeiten, kann der Elektriker nicht beginnen. Die Probleme häufen sich. Alles sei im Augenblick in der Schwebe.

Wichtig sei ein frühzeitiger Informationsaustausch. Weder sollten jetzt spontan Absprachen getroffen werden, die sich später als Anspruchsverzicht, Leistungsminderung oder unnötige Preiserhöhung auswirken. Schon gar nicht sollten Bauherren Miet- oder sonstige Verträge voreilig kündigen oder sich auf vorgezogene Zahlungen einlassen.

Nicht erbrachte Leistungen sollten auch noch nicht bezahlt werden. Besonders existenzbedrohte Unternehmen könnten jetzt mit Forderungen auf ihre Auftraggeber zukommen. Bauherren sollten bei ihrem Zahlungsplan den Baufortschritt im Blick behalten.

Eine Überzahlung birgt viele Risiken. Im Falle einer möglichen Insolvenz wäre das zu viel bezahlte Geld weg.

Wer haftet bei Bauverzögerungen wegen Coronavirus?

Sollten Lieferschwierigkeiten von Bauteilen als Grund für Bauverzögerungen genannt werden, sollten Bauherren kritisch nachfragen. Denn sogar Reinhard Quast, Präsident des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB), erwähnt die „relativ starke Regionalität der Baustoffhersteller zur Versorgung der Baustellen. Die Bauwirtschaft ist vergleichsweise weniger von globalen Lieferketten abhängig.“

Unklar ist, was passiert, wenn der Fertigstellungstermin wegen der Bauverzögerung nicht eingehalten werden kann. Denn dann verschieben sich Umzug und eine eventuelle Kündigung einer Mietwohnung.

Schadensersatzansprüche setzen immer Verschulden voraus. Die Beweislast dafür trägt zwar die Baufirma, aber angesichts der Pandemie ist das Führen eines Entlastungsbeweises im Einzelfall gut denkbar.

Überhaupt muss für Verzug die Leistung erst einmal fällig sein. Seit 2018 muss in Bauträgerverträgen und Verbraucherbauverträgen die Bauzeit angegeben werden. In den Verträgen gibt es aber viele Klauseln, die eine Verlängerung der Bauleistungszeit vorsehen. „Prominentester Vertreter“ ist eine Bauzeitverlängerung für den Fall höherer Gewalt. Auf die könnten sich Baufirmen jetzt möglicherweise berufen.

Quelle: www.wohnglueck.de

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